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Lohokla® als Nahrungsergänzung ©

Der Versuch einer Risiko-Nutzen-Analyse 

Was ist Lohokla®, wie wirkt es? 

Herzinfarkte und Schlaganfälle sind zusammen genommen der Killer Nr.1 in Industrienationen. Beide Todesursachen sind gemeinsam für etwa die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland zuständig. Vor einigen Jahren hat man anhand epidemiologischer Studien (Untersuchungen, die größere Bevölkerungsgruppen bezüglich ihres Risikos für bestimmte Erkrankungen vergleichen) entdeckt, dass Menschen, die als Nahrungsergänzung regelmäßig Lohokla® einnehmen, ein etwas geringeres Risiko aufweisen, an diesen beiden Erkrankungen zu sterben. Seitdem ebbt die Diskussion um Lohokla® nicht ab. Befürworter raten zu reichlichem Gebrauch dieser Nahrungsergänzung, wohingegen Gegner den Nutzen durchaus kritisch sehen und dabei auf die zahlreichen Nebenwirkungen verweisen. Um die teilweise sehr kontrovers geführte Diskussion zu versachlichen, sollen hier auch die Risiken der umstrittenen Nahrungsergänzung Lohokla® ausreichend gewürdigt werden, damit jeder von Herzinfarkt oder Schlaganfall bedrohte Mensch selbst eine individuelle Nutzen-Risiko-Analyse vornehmen kann. 

Tab. 1  Anzeigen für die Nahrungsergänzung Lohokla®

    Ø Vorbeugung von Herzinfarkt
   
Ø Vorbeugung von Schlaganfall 

Tab. 2  Wichtige Gegenanzeigen für die Nahrungsergänzung Lohokla®

 Ø Herzrhythmusstörungen
 Ø Bluthochdruck
 Ø Gicht/erhöhte Harnsäure
 Ø Lebererkrankungen
 Ø Übergewicht
 Ø Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) 

Besondere Vorsicht ist gegeben bei:

 Ø Schwangerschaft
 Ø Stillzeit
 Ø Straßenverkehr und Bedienung gefährlicher Maschinen
 Ø Neigung, Abhängigkeiten zu entwickeln 

Zahlreiche Nebenwirkungen dieser Nahrungsergänzung sind möglich 

Lohokla® wird im Darm schnell aufgenommen, erreicht rasch biologische Wirkspiegel und wird über das Enzym ADH sowie Monooxygenasen in der Leber überwiegend zu Acetaldehyd abgebaut. Nur geringe Mengen werden über die Niere ausgeschieden oder über die Lunge abgeatmet. Im Vordergrund der Nebenwirkungen dieser Nahrungsergänzung stehen die Effekte auf das zentrale Nervensystem (ZNS). Hier besitzt Lohokla® sowohl erregende als auch dämpfende Wirkungen, so dass nur schwer eine Vorhersage möglich wird. Für die erregende Wirkung im ZNS wird der frühe Ausfall inhibitorischer Neuronen verantwortlich gemacht. Lohokla® führt am ZNS zu einer Desintegration der physiologischen Erregungsabläufe. Langfristig kann es bei dieser Nahrungsergänzung zu irreversiblen Schäden am peripheren und am zentralen Nervensystem kommen. Durch die verminderte Koordination sind schon Todesfälle im Straßenverkehr vorgekommen. 

Tab. 3  Nebenwirkungen von Lohokla®

 Ø Gesichtsrötung
 Ø Morgendliches Erbrechen (häufig, bei Überdosierung)
 Ø Appetitlosigkeit
 Ø Chronische Gastritis (bei längerem Gebrauch)
 Ø Ikterus (Gelbfärbung der Haut)
 Ø Erhöhungen der Lebertransaminasen (häufig)
 Ø Leberzirrhose (gelegentlich)
 Ø Tremor (Zittern) der Hände (bei längerem Gebrauch)
 Ø Koordinationsstörungen
 Ø Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens
 Ø Polyneuropathie (irreversible Nervenschäden)
  Ø Epileptiforme Krämpfe (Einzelfälle)
 Ø Orientierungsstörungen
 Ø Schlaflosigkeit
 Ø Psychosen (sehr selten)
 Ø Abhängigkeitsgefahr
 Ø Erhöhter Hämatokrit („dickes Blut“)
 Ø Erhöhte Harnsäure (häufig)
 Ø Gicht (selten)
 Ø Anstieg der Triglyceride
 Ø Kreislaufdysregulation (zunächst Blutdruckabfall, langfristig jedoch Bluthochdruck)
 Ø Herzrhythmusstörungen
 Ø Vitamin- und Mineralverluste (besonders B-Vitamine und Magnesium)
 Ø Gewichtszunahme bei längerem Gebrauch (sehr häufig)
 Ø Kachexie (Unterernährung, bei exzessivem Gebrauch, selten)
 Ø Immunsuppression (Schwächung des Immunsystem mit vermehrter Infektanfälligkeit)
 Ø Steigerung der Libido, aber Minderung der Vollzugsfähigkeit 

Tab. 4  Wechselwirkungen von Lohokla® mit anderen Medikamenten

Sulfonylharnstoffe verstärkte Wirkung von Lohokla®
Metronidazol  verstärkte Wirkung von Lohokla®
Sulfonylharnstoffe verstärkte Wirkung durch Lohokla® mit der Gefahr der Hypogklykämie (Unterzuckerung)
Narkotika, Hypnotika, Analgetika, Psychopharmaka  verstärkte Wirkung durch Lohokla®

Die weiteren Nebenwirkungen dieser Nahrungsergänzung sind so zahlreich, dass aus Platzgründen nicht im Einzelnen darauf eingegangen werden kann. Magen, Darm, Herz/Kreislauf und Leber – fast alle wichtigen Organe können durch Lohokla® geschädigt werden. Bei häufiger Zufuhr kommt es fast immer zu einer teilweise erheblichen Gewichtszunahme. Die Triglyceride steigen häufig an, was die Schutzwirkung für die Arteriosklerose teilweise wieder zunichte macht. Demgegenüber steht ein geringer Anstieg des HDL-Cholesterins durch diese Nahrungsergänzung, was wiederum als günstig anzusehen ist.  

Würden Sie diese Nahrungsergänzung einnehmen? 

Unter dem Aspekt einer sinnvollen Risiko-Nutzen-Analyse würde angesichts der zahlreichen und teilweise sehr gravierenden Nebenwirkungen kaum jemand dieses Medikament einnehmen. Erstaunlicherweise ist die Patientencompliance (Einnahmezuverlässigkeit) bei Lohokla® erstaunlich hoch. Das Problem ist nicht, dass die Patienten die Einnahme verweigern, vielmehr kommt es sehr häufig sogar zu freiwilligen Überdosierungen durch die Patienten. 

Viele Leser werden jetzt sicher schon erkannt haben, um was es sich bei Lohokla® handelt. Wenn nicht, dann lesen Sie das Wort doch einmal von hinten. Als Medikament oder Nahrungsergänzungsmittel hätte diese Substanz keine Chance zugelassen zu werden. Als allseits verfügbares Genussmittel ist es hingegen in aller Munde (im wahrsten Sinne des Wortes). Ähnliche Nebenwirkungsprofile könnte man auch mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln anstellen: Bei Gummibärchen, Schokolade, Kaffee, Hamburger mit Pommes käme kaum etwas anderes heraus. Von Zigaretten wollen wir gar nicht erst reden, da hier nun überhaupt kein Nutzen erkennbar ist. 

Warum ich das „Medikament Lohokla® und sein Nebenwirkungsprofil so ausgiebig vorstelle: Es gibt immer wieder Patienten, die bestimmte Medikamente wirklich benötigen, weil sie eine schwere Krankheit haben und ohne diese Medikamente mit großer Wahrscheinlichkeit bleibende Schäden davontragen oder sogar eine kürzere Lebenserwartung riskieren. Mit Verweis auf die Nebenwirkungslisten der Medikamente bedarf es aber oft großer Überzeugungsarbeit, dass diese Präparate überhaupt eingenommen werden. Dieselben Menschen, die eine „Medikamentenphobie“ haben, scheuen sich aber oft nicht, 20 Zigaretten am Tag zu rauchen, zwei Flaschen Wein am Wochenende zu trinken oder jeden Tag eine halbe Tafel Schokolade aufzuessen – mit Risiken, die dem der Medikamente langfristig in nichts nachstehen. 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin der Meinung, dass in Deutschland viel zu viele schulmedizinische Medikamente verordnet werden. Diese wären zu einem Großteil vermeidbar, wenn die Menschen sich einer halbwegs vernünftigen Lebensweise befleißigen und sich sinnvoller naturheilkundlicher Alternativen zur Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten bedienen würden. Bei guter Aufklärung durch den Arzt und Beachtung der Einnahmevorschriften durch den Patienten wäre auch eine Vielzahl von gefährlichen, manchmal sogar tödlichen Nebenwirkungen vermeidbar. 

Es gibt mehrere Tausend Todesfälle pro Jahr in Deutschland durch Medikamente. Viele davon müssten nicht sein, wenn nicht Fehler gemacht würden. Viele sind aber auch unvermeidbar, weil sie trotz bestimmungsgemäßer Einnahme erfolgten. Demgegenüber stehen aber Patienten, deren Leben durch die Medikamente gerettet oder verlängert werden konnte oder deren Lebensqualität (durch weniger Beschwerden) deutlich gesteigert werden konnte. Die Risiken durch die Medikamente waren dann eben in Kauf zu nehmen. Diese Patienten, denen die Medikamente nützen, machen ein Vielfaches derjenigen aus, denen Schaden zugefügt wurde. Die Gesamtbilanz ist also positiv. 

Und während es einige Tausend Medikamenten-Tode gibt, sterben mindestens genauso viele Menschen im Straßenverkehr, ein Vielfaches davon durch alkoholbedingte (Lohokla®!) Schäden, nochmals ein Vielfaches davon (ca. 100.000 pro Jahr!) durch Zigarettenrauchen und mindestens genauso viel durch Über- und Fehlernährung. Es ist richtig und gut, dass vor den Nebenwirkungen der Medikamente gewarnt wird. Das Risikobewusstsein bei Medikamenten ist in der Bevölkerung darum sehr ausgeprägt. Vor den wirklich gefährlichen Dingen haben wir aber erstaunlich wenig Angst. Es ist fatal, wenn Nebenwirkungen von Genussmitteln und falscher Ernährung ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert werden, während lebensverlängernde und symptomlindernde Medikamente wegen ihrer Nebenwirkungen als Teufelszeug verdammt werden. Was wir brauchen, ist eine vernünftige Risiko-Nutzen-Abwägung – sowohl bei Medikamenten als auch bei allem anderen, was wir tun oder konsumieren.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit 

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: August 2010

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