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Die reine Angstmache ©

Angstmache statt Aufklärung


Die aktuelle Entwicklung der Angstmache
 

Nach dem missglückten Terroranschlag auf den Flug 253 der Northwestern Airlines am 25.12.2009 wird der Einsatz von Ganzkörperscannern, auch „Nacktscanner“ genannt, gefordert. Wahrscheinlich wird das bei der momentanen hysterischen Stimmung auch durchkommen, auch wenn es völliger Blödsinn ist. Wenn eine bestimmte diagnostische Maßnahme (sei es medizinisch oder eben kriminalistisch) auch nur irgendeinen minimalen Nutzen hätte, dann könnte man ja unter Risiko-Nutzen-Abwägung darüber diskutieren. Bei den Scannern steht aber erheblichen Bedenken überhaupt kein Nutzen gegenüber – jedenfalls nicht bei der Entdeckung von Sprengstoffen, die damit nämlich überhaupt nicht geortet werden können. 

Was man damit entdecken kann, sind Waffen oder größere Mengen an Sprengstoffen, die unter der Kleidung am Körper getragen werden können. Das Attentat am 25.12.2009, welches zur Forderung nach der Einführung der Scanner geführt hat, hätte damit überhaupt nicht verhindert werden können. In Körperöffnungen oder –höhlen kann man damit überhaupt nicht hineinschauen. Wenn dort also Sprengstoff versteckt wird, was jeder „vernünftige“ Terrorist machen wird, der weiß, wie ein Scanner arbeitet, dann besteht keine Chance, diesen zu entdecken. Der nächste und konsequente Schritt in der Terrorabwehr wären also Rektal- und/oder Vaginaluntersuchungen bei jedem Flugpassagier. 

Die Angstmache birgt auch bedenkliche Risiken 

Die Risiken des Scanners sind auf der anderen Seite erheblich. Zum einen gibt es ethische Bedenken. Die jetzigen Kontrollen sind ja schon teilweise entwürdigend. Wenn jetzt noch alle Passagiere auf Bildschirmen praktisch nackt gesichtet werden, ist das vielleicht nicht jedem angenehm. Werden Röntgenscanner eingesetzt, besteht eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung. Wir führen bereits in der Medizin eher zu viele als zu wenige Röntgenuntersuchungen durch. Hier den Fluggast einem zusätzlichen Strahlenrisiko auszusetzen, halte ich für medizinisch äußerst bedenklich. 

Meine Forderung: Politiker, die die Einführung der Scanner fordern, sollten sich von einem solchen Scanner ablichten und die Bilder in der Tagesschau zeigen lassen. Es ist schon merkwürdig, dass bisher keines dieser Bilder je gezeigt wurde – ich habe jedenfalls noch keines gesehen. Die Zustimmungsraten in der Bevölkerung von über 70 % würden dann möglicherweise rasch absinken. 

 Möchten Sie, dass solche Bilder von Ihnen entstehen? 

Wir können an diesem Beispiel sehr schön sehen, wohin diese Angstmache führen kann – nämlich zu einem blinden Aktionismus, der im besten Falle nichts nützt, im schlimmsten Fall sogar schadet. 

Die Angstmache bewirkt negativen Einfluss

Wir kritisieren zu Recht Angst machende und die Prognose verschlechternde Äußerungen in der Schulmedizin: 

-          Mit Ihrem Krebs haben Sie höchstens noch ein Jahr zu leben!

-     Mit Ihrem schlechten Cholesterinspiegel werden Sie einen Herzinfarkt bekommen!

-     Mit Ihrem hohen Blutdruck ist ein Schlaganfal unvermeidlich! 

Selbst wenn an diesen Aussagen etwas dran ist und das Risiko tatsächlich hoch und die Prognose wirklich schlecht ist, sollten sich Ärzte zu solchen Aussagen nicht hinreißen lassen, da sie die Einstellungen des Patienten im Sinne einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung negativ beeinflussen. 

Doch auch in der Naturheilkunde wird oft mit der Angstmache gearbeitet. Immer wieder höre ich von Patienten, wie sie mit bestimmten Untersuchungen auf eine bestimmte Schiene geführt wurden, von denen sie – es gibt doch schwarz auf weiß „objektive“ Untersuchungsergebnisse – kaum wieder herunterkommen und nicht selten neurotisch fixiert werden. 

Die Angstmache – nicht immer so ganz uneigennützig 

Es kommt immer wieder vor, dass Patienten mir aufgeregt berichten, dass sie an einer EBV-Infektion leiden und man unbedingt etwas tun müsse. Wenn ich dann frage, worauf sich diese Diagnose stützt, dann erfahre ich, dass der Arzt oder Heilpraktiker EBV im Blut nachgewiesen habe und dass diese EBV-Infektion die Beschwerden des Patienten verursacht (z.B. Erschöpfung, Depression, Bluthochdruck, Darmbeschwerden – eigentlich alles). Oftmals sind daraufhin aufwändige und teure Therapien begonnen worden (z.B. umfangreiche Ausleitungen, Infusionen u.v.m.). Wenn ich mir dann den Laborzettel zeigen lasse, so muss ich feststellen, dass meist nur die IgG-Antikörper erhöht sind. Ich muss dann oft viel Zeit für Erklärungen verwenden, dass daraus überhaupt keine Krankheit, geschweige denn eine Therapie abgeleitet werden kann. Die bedauernswerten Patienten sind bestenfalls einem naiven Therapeuten aufgesessen, der die Laborwert nicht zu interpretieren vermag, schlimmstenfalls handelte es sich aber um einen betrügerischen Abzocker, der aus einem auffälligen, aber bedeutungslosen Laborwert und subjektiven Symptomen des Patienten eine Krankheit konstruiert, für die er dem Patienten dann eine ebenso teure wie unnötige Therapie andreht. 

EBV – so sieht das Virus aus 

Darum hier einige Fakten zur Aufklärung:

-          EBV steht für Epstein-Barr-Virus, der zur Klasse der Herpes-Viren gehört.

-          Herpes-Viren haben die Eigenschaft, dass sie auch nach einer überwundenen Infektion im Körper verbleiben – und zwar praktisch immer und lebenslang.

-          Der Körper bildet bei der Infektion zunächst IgM-Antikörper gegen EBV, später auch IgG-Antikörper, während die IgM-Antikörper wieder verschwinden.

-          IgM-Antikörper sprechen für eine akute Infektion (oder ein Wiederaufflackern, wenn das Immunsystem geschwächt wird).

-          IgG-Antikörper sprechen für eine überwundene Infektion und haben keinerlei Krankheitswert!

-          98 % aller Deutschen, die älter als 40 Jahre sind, weisen solche IgG-Antikörper gegen EBV auf.

Aufklärung contra Angstmache

Soweit die Fakten. Wenn also bei Ihnen EBV-IgG-Antikörper festgestellt werden (was bei nahezu allen älteren Erwachsenen möglich ist), würden Sie diese dann mit Ihren aktuellen Beschwerden in einen Zusammenhang bringen? Ich könnte genauso gut Masern-Antikörper bei Ihnen bestimmen. Auch hier haben fast alle Erwachsenen einen entsprechenden IgG-Antikörper-Titer. Würden Sie glauben, dass Ihre Krankheit daher durch Masern verursacht wird? 

Es gibt allerdings eine Erkrankung, die mit EBV zusammenhängen kann, nämlich das CFS (Chronic fatigue syndrome oder Chronisches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom). Das CFS beschreibt eine mindestens 6 Monate anhaltende Erschöpfung, welche zu einer deutlichen Einschränkung der bisherigen Aktivitäten geführt hat und bei der andere Ursachen für die Erschöpfung ausgeschlossen wurden. Das CFS tritt häufig direkt nach einer Infektion auf, wobei diese auch eine EBV-Infektion sein kann. Beim CFS müssen außerdem von den folgenden 8 Nebenkriterien noch mindestens 4 erfüllt sein: 

Die genaue Ursache von CFS ist noch ungeklärt, die Infektion ist aber lediglich der Auslöser, nicht die Ursache. Vermutet wird eine durch die Infektion ausgelöste Reaktion des Immunsystems, welches dann aber aus irgendwelchen Gründen nicht wieder herunterreguliert wird, sondern weiter aktiviert bleibt, was natürlich Energie kostet.

Die Therapie (eine anerkannt wirksame Therapie ist bei CFS derzeit nicht bekannt) richtet sich dann aber auch nicht gegen EBV, sondern sollte der Modulation des Immunsystems dienen. Schulmedizinisch werden versuchsweise Immunglobuline oder Kortison gegeben, komplementärmedizinisch scheint der Nachweis und die Behandlung von Nährstoffmangelzuständen erfolgversprechend zu sein.

Achtung! Bleiben Sie kritisch und lassen Sie sich durch die Angstmache
nicht zu sehr verunsichern!

Also nochmals: Die Untersuchung von Antikörpern gegen Krankheitserreger (insbesondere der IgG-Antikörper, die lediglich eine überwundene Infektion anzeigen) ist genauso hilfreich wie das Screening von Tumormarkern – nämlich gar nicht. Solche Antikörper machen wirklich nur Sinn, wenn der Verdacht auf eine akute oder wieder aufgeflammte Infektion besteht – nicht bei chronischen Zuständen.

Wir Naturheilkundler rühmen uns ja, besonders ganzheitlich zu denken und zu handeln. In vielen Bereichen sehe ich aber leider dieselbe rein symptomorientierte Therapie wie in der so genannten Schulmedizin. Wir wollen keine Laborwerte, sondern kranke Menschen behandeln! Wir wollen uns auch nicht verrückt machen lassen, von Laborwerten, die keinerlei therapeutische Konsequenz haben! Und wir sollten uns vor allen Dingen nicht unnötig ängstigen und zu falschen therapeutische teuren therapeutischen Schnellschüssen verleiten lassen!

Weitere Gedanken zum Thema „Angst“ finden Sie hier: www.abhaengig-keit.de/angst/

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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